In meinem Hauptjob an der Hochschule unterrichte ich Fächer wie Management-Theorien und marktorientierte Unternehmensführung. Doch je länger ich mich mit der Materie auseinandersetze, und je öfter ich auf meine eigenen Folien schaue, desto mehr wird mir die Lücke zwischen wissenschaftlich belegtem „richtigen“ Verhalten eines Managers und der Realität da draußen klar. Nicht nur als Coach, sondern auch in meinem Hochschuljob rede ich viel (und auch gern) mit Führungskräften aus verschiedenen Branchen über ihre Aufgaben und Herausforderungen. Und ich sehe immer mehr, dass keiner in die Nähe der „perfekten“ Führungskraft aus dem Lehrbuch herankommt. Was nicht alles eine Führungskraft ausmachen soll: Durchsetzungsvermögen, Empathie, strategisches Verständnis, klare Kommunikation, Gerechtigkeit, alle Stakeholder glücklich machen usw. Aber mal ganz im Ernst: in welchem Alltag soll das alles stattfinden?

Mit meinen Coachingkunden rede ich lieber darüber: man kann nicht in allem perfekt sein, aber man darf (und sollte) in der Führung auch seine eigene Persönlichkeit nicht zurückstellen. Die Frage ist doch vielmehr: was für ein Chef oder eine Chefin möchte ich sein? Welche „Fehler“ lasse ich zu, weil ich andere, wichtigere Stärken habe?